16.04.2026

Luchskinder von Alva werden erwachsen

Diese Wildtierkameraaufnahme zeigt Alva mit ihrem Nachwuchs Anfang März in der Nähe von Schönheide. Die Jungtiere sind fast genauso groß wie Alva, unterscheiden sich von ihr jedoch durch ihre wenig gefleckte Rosettenzeichnung. Alva ist eindeutig gefleckt. Dies ist die bisher letzte Aufnahme von allen drei Tieren zusammen. 
© Archiv Naturschutz LfULG, F. Brückner

Beide Jungtiere von Alva haben den Winter gut überlebt. Bis Anfang März hielten sich die Katze und der Kuder nachweislich bei Alva auf. In den nächsten Wochen werden sie sich von ihrer Mutter trennen, vielleicht haben sie dies bereits getan. Damit beginnt eine gefährliche Zeit für die Jungtiere, die jeweils eigene Wege gehen. Ihre Entwicklung kann individuell weiterverfolgt werden, denn beide lassen sich identifizieren.

In der Regel lösen sich junge Luchse in einem Alter von acht bis elf Monaten von ihrer Mutter und suchen sich ein eigenes Territorium. In diesem Alter ist der Nachwuchs von Alva inzwischen. Bis Anfang März wurden alle drei Tiere zusammen immer wieder durch Kamerafallen nachgewiesen. Die Jungtiere sind inzwischen fast so groß wie Alva und sehen kräftig und gesund aus – eine gute Voraussetzung, um eigene Wege zu gehen.

Mit der Trennung beginnt für die Jungluchse ein gefährlicher Lebensabschnitt: Sie erkunden unbekanntes Gelände, überqueren Straßen, treffen möglicherweise auf andere Luchse, die ihr Territorium verteidigen und müssen mit nur wenig Erfahrung eigenständig auf die Jagd gehen. Der Stress macht sie anfällig für Krankheiten. Nur etwa die Hälfte überlebt diese schwierige Zeit und etabliert ein eigenes Territorium.

Schemenhaft bewegen sich hier beide Jungluchse durch die Felsen. Diese Fotofallenaufnahme stammt von Ende Februar. Auch Alva hat sich kurz auf den Aufnahmen gezeigt. Sie ist also ganz in der Nähe.   © Archiv Naturschutz LfULG, C. Blum-Rérat

Die junge Katze mit der Identität B4006 und der junge Kuder, B4005, von Alva finden ausgehend vom Territorium ihrer Mutter rund um Eibenstock in allen Himmelsrichtungen Waldgebiete, die als Lebensraum infrage kommen. Nach einer Modellanalyse bietet das Erzgebirge länderübergreifend und zusammen mit Vogtland, Elbsandsteingebirge und Lausitzer Gebirge auf reichlich 4.000 Quadratkilometern Luchsen einen geeigneten Lebensraum. Auf dieser Fläche könnte eine Population auf etwa 40 bis 120 Tiere anwachsen. Sind die Bedingungen günstig, bleiben Jungluchse in der Regel in der Nähe der Population, aus der sie stammen, und wandern selten weite Strecken ab. Damit besteht Hoffnung, dass Alvas Nachwuchs im Erzgebirge oder Vogtland sesshaft wird und eigene Territorien etabliert. Der junge Kuder muss jedoch Chapo ausweichen, der kein anderes Männchen in seinem Territorium tolerieren wird. Luchse sind Einzelgänger.

Die Entwicklung der Jungtiere wird in den kommenden Wochen und Monaten weiterhin beobachtet. Ihr Weg kann auf Basis des bestehenden Netzes aus Fotofallen für das Monitoring der Luchse und der guten Zusammenarbeit unter anderem mit Jägern und Förstern hoffentlich auch nach ihrer Trennung von Alva möglichst detailliert weiterverfolgt werden. Die Bestimmung der Luchse gelingt über ihre individuelle Fleckenzeichnung. Beide Jungtiere haben zwar nur eine schwach gefleckte und sehr ähnliche Rosettenzeichnung, aber auf Grundlage zahlreicher Fotos konnten inzwischen Muster identifiziert werden, die sich eindeutig dem Weibchen oder dem Männchen zuordnen lassen.

Auch auf Grundlage der Genetik können die Geschwister bestimmt werden. In den vergangenen Monaten wurde genetisches Material beider Tiere gesichert und untersucht. Werden nun also beispielsweise Haare, Kot oder Urin im Wald gefunden, kann anhand dieses Materials identifiziert werden, welcher Luchs hier vorbeigekommen ist. Das gilt übrigens nicht nur für die beiden Jungtiere, sondern für alle im Projekt »RELynx« ausgewilderten Tiere.

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