13.05.2026

Willkommen in Sachsen, Bardi!

Luchsmännchen Bardi
Luchs Bardi, ein zugewanderter Kuder aus dem Böhmerwald. Auf dem Foto einer Weißlichtblitzkamera ist seine markante Fleckenzeichnung gut zu erkennen. Auf den ersten Blick ähnelt der Kuder Alva. 
© Archiv Naturschutz LfULG, S. Walther

Seit Anfang Februar streift »Bardi« durch die Wälder im Westerzgebirge. Der zweijährige Kuder stammt aus der Luchspopulation im böhmisch-bayerisch-österreichischen Grenzgebiet. Zwischen seiner Geburtsregion und seinem aktuellen Aufenthaltsort liegen Luftlinie über 160 Kilometer. Solche Strecken überwinden Luchse nur selten: Tatsächlich ist Bardi der erste eindeutig nachgewiesene Zuwanderer aus dem Böhmerwald nach Sachsen. Seine Wanderung zeigt, dass das Ziel von »RELynx Sachsen«, Luchspopulationen zu vernetzen, erreicht werden kann.

Bardi wurde im Frühjahr 2024 als eines von drei Geschwistern nahe der nordöstlichen Grenze des Böhmerwalds geboren. Im Winter 2025 verließ der junge Kuder, wie es bei Luchsen üblich ist, das Territorium seiner Mutter. Er wurde wenige Monate später in der Region Klatovy südlich von Pilsen von einer Wildkamera aufgenommen. Danach fehlten eindeutige Nachweise von ihm – bis er im Februar 2026 im Westerzgebirge wieder auftauchte. Die genaue Wanderroute des Kuders ist somit nicht bekannt.

Bardi als junger uchs
Bardi, hier als Jungtier, wurde 2024 in der Umgebung von Hartmanice an der nordöstlichen Grenze des Böhmerwalds geboren.  © Archiv Naturschutz LfULG, Šumava National Park Administration

Für die Luchsexpertinnen und Luchsexperten in Sachsen war das Auftreten von Bardi eine Überraschung und mit genauem Hinsehen verbunden, denn das Männchen ist ausgeprägt gefleckt und ähnelt auf den ersten Blick Luchsdame Alva sehr stark. Mit Unterstützung der tschechischen Kolleginnen und Kollegen vom Nationalpark Šumava konnte die Identität des Tieres anhand seiner Fellfleckung jedoch schnell geklärt werden. 

In den letzten Wochen wurde Bardi mehrfach in der großräumigen Region um Eibenstock durch Fotofallen nachgewiesen. Dort sind auch die beiden ausgewilderten Luchse Alva und Chapo ansässig. Sehr wahrscheinlich bemühte sich Bardi während der Paarungszeit im Februar bis April, genauso wie Chapo, um Alva. Mit der Anwesenheit zweier geschlechtsreifer Kuder im Territorium des Weibchens besteht auch 2026 wieder die Hoffnung auf Luchsnachwuchs in Sachsen.

 

Ob Bardi nun im Westerzgebirge bleibt, ist unklar. Für das hiesige Luchsprojekt wäre es ein Erfolg: Der Kuder würde die noch recht kleine, sich im Aufbau befindliche Population stärken und neue Gene einbringen. Dies ist wichtig, um langfristig Inzucht und Krankheiten vorzubeugen.

Die weiten Wanderungen einzelner Luchse sind für den genetischen Austausch zwischen den bestehenden Populationen in Deutschland und Europa von hoher Bedeutung. Damit wandernde Luchse Artgenossen finden, dürfen die Distanzen zwischen benachbarten Populationen jedoch nicht zu groß sein. Um die Vernetzung zu erleichtern, sollen daher kleine Trittsteinpopulationen geschaffen werden, die zwischen den größeren Vorkommen liegen. Mit »RELynx Sachsen« soll im Erzgebirge ein solcher Trittstein entstehen. Die Zuwanderung von Bardi verdeutlicht, dass das Schutzkonzept funktionieren kann.

Bardi im Westerzgebirge
Bardi wurde im Februar und März mehrfach von Fotofallen im Westerzgebirge registriert. Ob er in den hiesigen Wäldern bleibt, ist unklar.  © Archiv Naturschutz LfULG, C. Blum-Rérat
zurück zum Seitenanfang