22.06.2026

Wie geht’s »unseren« Luchsen?

Die Jungtiere von Alva geboren in 2025 gehen nun ihre eigenen Wege. Das Foto zeigt den weiblichen Nachwuchs, B4006.  
© Archiv Naturschutz LfULG, J. Zschille

Im Jahr 2024 wurden fünf Luchse im Erzgebirge ausgewildert, 2025 kamen zwei weitere Tiere im Rahmen des Projekts »RELynx Sachsen« hinzu. Außerdem gab es ein freudiges Ereignis: Im vergangenen Jahr wurden erstmals seit über 300 Jahren Jungtiere im Freistaat geboren, ein Weibchen und ein Männchen. Anfang 2026 wanderte zudem ein Kuder aus dem Böhmerwald zu. Ein ausgewilderter Luchs wurde überfahren, eine Katze wanderte ab. Demnach sollten derzeit acht Luchse durch die Wälder im Erzgebirge streifen. Eine stabile Population ist damit aber noch nicht erreicht.

Wie werden die freilebenden, scheuen Tiere in den Wäldern überwacht?

Das Monitoring der Luche basiert auf verschiedenen Methoden: In den ersten Monaten tragen die ausgewilderten Tiere GPS-Senderhalsbänder, die relativ genaue Informationen zu ihren Aufenthaltsorten liefern. Parallel kommen in den Wäldern Kamerafallen zum Einsatz und es werden Informationen aus der Bevölkerung ausgewertet. Auf Basis der verschiedenen Hinweise entsteht ein Bild vom aktuellen Luchsbestand in Sachsen. Das Zusammensetzen der Informationen gleicht jedoch einem Puzzlespiel. Bei den großen Streifgebieten der Luchse von bis zu 300 Quadratkilometern ist es nicht ungewöhnlich, dass diese auch längere Zeit vom »Radar« der Kamerafallen verschwinden. Oder ein Luchs taucht plötzlich an einer Stelle auf, an der man ihn gar nicht erwartet.

Welche Luchse sind aktuell in Sachsen unterwegs?

Alles beim Alten bei Alva und Chapo: Die beiden Luchse, die seit 2024 durch das Westerzgebirge streifen, sind nach wie vor in ihren Territorien in der großräumigen Umgebung von Eibenstock ansässig. Beide Tiere werden regelmäßig durch Fotofallen nachgewiesen. 

Die Jungtiere von Alva aus dem Jahr 2025, B4005 und B4006, haben sich inzwischen von ihrer Mutter getrennt. Der letzte Nachweis aller drei Luchse zusammen stammt von Ende März. Danach wurden beide Jungtiere mehrfach gemeinsam von Kamerafallen abgelichtet, aber inzwischen haben sich wahrscheinlich auch die Wege der Geschwister getrennt. Das Weibchen, B4006, wurde Anfang Mai an einem Rehriss bei Zschorlau nachgewiesen. Ob sie das Reh erlegt hat oder den Riss nur nutzte, ist unklar. Dies ließe sich nur mit einem genetischen Nachweis klären. War das Weibchen selbst erfolgreich auf der Jagd, wäre dies ein wichtiges Erfolgserlebnis für das Jungtier, denn die eigenständige Jagd ist für die unerfahrenen Jungluchse zunächst eine Herausforderung. Weitere Nachweise von B4006 liegen aus der großräumigen Umgebung von Sosa von Ende April bis Ende Mai vor. Ihr Bruder, B4005, wurde Anfang bis Mitte Mai in den Wäldern westlich und nördlich von Eibenstock bis fast nach Kirchberg nachgewiesen. Beide Jungtiere sind damit immer noch in oder in der Nähe der Territorien ihrer Eltern Alva und Chapo unterwegs. Ob oder wie lange dies toleriert wird, bleibt abzuwarten. Luchse sind Einzelgänger. Der Nachwuchs muss sich daher ein eigenes Territorium erschließen, findet dafür aber im Westerzgebirge ausreichend Möglichkeiten. 

Bis Mitte April waren die beiden Jungtiere von Alva zusammen unterwegs. Das Weibchen (B4006) ist vorn zu sehen, das Männchen (B4005) schnuppert im Hintergrund ebenfalls an dem Felsen.  © Archiv Naturschutz LfULG, H. Stockburger

Charlie, der im September 2025 ausgewildert wurde, hält sich nach wie vor in Tschechien auf. Seit etwa Anfang 2026 liegt das Territorium des Kuders im Truppenübungsplatz Hradiště, wie die Daten seines GPS-Senderhalsbandes zeigen. Ihm scheint es dort zu gefallen, er findet offensichtlich genug Nahrung, sodass er kein größeres Territorium benötigt.

Freya wurde ebenfalls im September 2025 ausgewildert und hielt sich bis Ende des Jahres in den Wäldern rund um Zwönitz auf. Leider sendet ihr GPS-Senderhalsband aufgrund eines technischen Defektes keine Daten. Auf den Fotos der Kamerafallen sah sie bis Ende 2025 gut aus, es wurden auch Risse von ihr bestätigt. Wie es ihr dann erging, ist nicht bekannt: Im Jahr 2026 konnte das Weibchen bisher nicht nachgewiesen werden. 

Juno, der erste im März 2024 im Freistaat ausgewilderte Luchs, wurde nach über einem Jahr ohne Nachweise Anfang 2026 im Osterzgebirge auf tschechischer Seite wieder entdeckt. In den Monaten zuvor gab es bereits Hinweise auf einen Luchs aus dem mittleren Erzgebirge sowie dem östlichen Erzgebirgsvorland. Auf den Fotos konnte das Individuum jedoch nicht bestimmt werden. Anhand einer Genetikprobe gesammelt bei Flaje wurde Juno dann sicher identifiziert. Nun ist er wieder vom »Radar« verschwunden: Seit einem ebenfalls nicht klar zuordenbaren Foto aus dem Lausitzer Gebirge in Tschechien im März gab es keine weiteren Hinweise auf Juno.

Bardi, ein Luchsmännchen aus dem Böhmerwald, tauchte Anfang Februar 2026 in der Umgebung von Eibenstock auf. Der letzte Nachweis von ihm stammt vom 31. März aus dieser Region. Ob Bardi noch in Sachsen oder inzwischen weitergewandert ist, ist derzeit nicht bekannt.

Blick in die Zukunft: Was ist für 2026 noch zu erwarten?

Da sich während der Paarungszeit von Ende Februar bis Mitte April im Territorium von Luchsdame Alva mit Chapo und Bardi zwei Kuder aufhielten, besteht auch für dieses Jahr große Hoffnung auf erneuten Luchsnachwuchs. Ob Alva tragend ist oder sogar schon Jungtiere geboren hat, ist allerdings unklar. War eine Verpaarung erfolgreich, wäre nun etwa der Zeitraum, in dem die Jungtiere zur Welt kommen. 

Im Spätsommer sind zudem zwei weitere Auswilderungen vorgesehen. »Frisches Blut« ist für die aktuell sehr kleine Population immens wichtig, um Inzucht und dadurch verursachte Krankheiten zu vermeiden. 

Insgesamt sollen bis zu 20 Luchse ausgewildert werden, um eine stabile, überlebensfähige Population im Erzgebirge zu schaffen. Bei dieser Anzahl von Tieren liegt die Aussterbewahrscheinlichkeit des Bestands in den nächsten 50 Jahren unter fünf Prozent. Mit einem stabilen sächsischen Luchsvorkommen kann die Vernetzung mit bestehenden oder im Aufbau befindlichen Populationen im Bayerischen Wald und Böhmerwald, im Harz und im Thüringer Wald entscheidend unterstützt werden. Diese Vernetzung beugt wiederum langfristig Inzucht und Krankheiten vor, unter denen isolierte Bestände mittelfristig häufig leiden. 

 

 

 

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